Kinder sind das ehrlichste Publikum der Welt

Es gibt einen Gedanken, der mich bei meinen Konzerten immer wieder begleitet: Kinder sind wahrscheinlich das ehrlichste Publikum, das man sich vorstellen kann – und manchmal auch das strengste.

Wer regelmäßig vor Kindern steht, merkt ziemlich schnell, dass man ihnen nichts vormachen kann. Wenn etwas nicht funktioniert, dann wird das nicht höflich übergangen, sondern man bekommt es direkt zu spüren. Die Aufmerksamkeit wandert, es wird gezappelt, gequatscht oder man merkt einfach, dass die Gedanken gerade ganz woanders sind. Und ja – manchmal gewinnt dann auch ganz klar die Hüpfburg im Hintergrund. Wobei man fairerweise sagen muss: Gegen eine Hüpfburg hat man wirklich kaum eine Chance. Ich bin Veranstaltern deshalb jedes Mal unendlich dankbar, wenn sie während des Auftritts kurz die Luft rauslassen 😄

Auf der anderen Seite passiert aber genau das Gegenteil, wenn etwas funktioniert. Dann sind die Kinder plötzlich voll da, machen mit, reagieren, lachen, singen und lassen sich komplett auf den Moment ein. Und genau dieser Unterschied ist unglaublich spannend zu beobachten.


Perfektion ist nicht das, was Kinder erreicht

Ich habe Situationen erlebt, in denen technisch alles gestimmt hat und trotzdem ist der Funke nicht übergesprungen. Und ich habe genauso viele Momente erlebt, in denen eben nicht alles perfekt war – in denen Technik versagt hat, ich etwas zu Hause vergessen habe, der Sound nicht optimal abgemischt war oder ich selbst vielleicht heiser oder einfach nicht bei hundert Prozent war.

Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – waren das oft die Momente, in denen die Kinder komplett dabei waren. Weil es nicht geschniegelt war, nicht durchperfektioniert, sondern einfach ich. Ehrlich, authentisch und eben Mensch! Manchmal sind es genau diese kleinen Unperfektheiten, die eine Situation greifbar machen und die Verbindung entstehen lassen.

Was Kinder wirklich erreicht, ist nicht Perfektion. Es ist Energie, Echtheit und das Gefühl, dass da vorne jemand steht, der wirklich meint, was er tut.


Was wir uns davon ruhig abschauen dürfen

Wenn man ehrlich ist, kennen wir das als Erwachsene doch auch. Wir merken ziemlich schnell, ob jemand einfach nur sein Programm abspult oder wirklich präsent ist, ob jemand etwas fühlt oder einfach nur funktioniert. Ob jemand Lust hat, noch eine Zugabe zu spielen, weil die Energie im Raum gerade stimmt – oder ob er einfach seinen Plan durchzieht.

Und auch das danach spürt man: Nimmt sich jemand noch Zeit, bleibt noch kurz, kommt ins Gespräch, geht auf Fragen ein? Oder ist er/sie froh, wenn er weg kommt und Feierabend hat.

Kinder nehmen genau das wahr. Nur viel direkter, ungefilterter und ohne sich dabei zurückzuhalten. Für mich hat das ganz viel verändert. Ich habe gelernt etwas weniger nach Perfektion zu streben (was nicht in meiner Natur liegt :)) und mich mehr auf den Moment einzulassen. Offen zu bleiben für das, was entsteht – und mir selbst zu erlauben, einfach Spaß zu haben und echt zu sein. Mit meinen Stärken und meinen Fehlern.