Erfolg ist eine Wellenbewegung

Warum ich gelernt habe, nicht alles an Zahlen festzumachen

Ich glaube, wenn man kreativ arbeitet, kommt irgendwann automatisch dieser Punkt, an dem man beginnt, alles zu messen.

Aufrufe, Likes, Kommentare, Streamingzahlen, Reichweite und nicht zuletzt Buchungen für Konzerte.
Ich denke, es wäre unehrlich zu behaupten, dass mir Reichweite und Zahlen völlig egal sind.

Wenn man einen neuen Song veröffentlicht, hat man vorher Wochen oder sogar Monate Arbeit hineingesteckt. Und vor allem richtig viel von sich selbst. Natürlich möchte man dann am Ende wissen: Haben es die Fans oder vielleicht sogar neue Menschen gesehen? Wie oft wurde es geteilt? Funktioniert das überhaupt oder interessiert das eigentlich niemanden?

Ich glaube, viele Menschen unterschätzen, wie persönlich sich kreative Arbeit anfühlen kann.

Gerade durch Social Media und Streamingplattformen passiert das heute wahrscheinlich schneller denn je. Man bekommt ständig Statistiken und Kurven angezeigt, sieht, was gut läuft, wer wächst, wer viral geht und welche Inhalte gerade „funktionieren“.

Und ja… das kann einen echt verunsichern, wenn man sich damit ständig vergleicht. Vor allem dann, wenn die großen Reaktionen erstmal ausbleiben.

Dann können Zahlen manchmal plötzlich viel zu wichtig werden.


Was ich über die Jahre lernen musste

Gerade am Anfang meiner Zeit als Kinderliedermacherin dachte ich oft, Erfolg müsste vor allem sichtbar sein.

Mehr Reichweite. Mehr Wachstum. Mehr Menschen.

Und natürlich wünsche ich mir bis heute, dass möglichst viele Familien meine Musik hören oder meine Konzerte erleben. Sonst würde ich das alles ja auch gar nicht machen.

Aber gleichzeitig durfte ich in den letzten Jahren auch merken, dass sich nicht alles wirklich in Zahlen messen lässt. (Auch wenn mir da wahrscheinlich jeder Mathematiker widersprechen würde 😄)

Denn manche Dinge passieren ganz leise und überhaupt nicht öffentlich.

Da kommt plötzlich eine Familie, die mich Jahre später wiedererkennt. Kinder singen Texte mit, von denen ich selbst längst vergessen habe, dass ich sie irgendwann geschrieben habe. Eltern erzählen mir, dass bestimmte Songs bei ihnen seit Monaten zum Alltag gehören oder dass ihre Kinder morgens nur mit einem ganz bestimmten Lied in den Kindergarten gehen wollten.

Wow.

Oder ein Video bekommt gar nicht viele Aufrufe — und trotzdem schreibt einem jemand:
„Genau das habe ich heute gebraucht. Das kenne ich noch aus meiner Kindheit. Danke für deinen Content.“

Solche Momente sieht kein Algorithmus. Und letztendlich bedeuten sie so viel mehr als jede Statistik.


Erfolg fühlt sich nicht immer wie Erfolg an

Eine Sache ist mir aus verschiedenen Coachings und Gesprächen der letzten Jahre besonders hängen geblieben:

Erfolg ist eine Wellenbewegung. Genau wie Glück.

Und je länger ich diesen Beruf mache, desto mehr glaube ich tatsächlich, dass da unglaublich viel Wahrheit drinsteckt.

Und nicht nur das. Ich glaube sogar, dass wir ohne die schwierigen Phasen irgendwann die Demut und Dankbarkeit für all die guten Momente verlieren würden. Für die Dinge, die funktionieren.

Es gibt Phasen, in denen gefühlt alles gleichzeitig passiert. Neue Ideen entstehen, Konzerte laufen gut, Menschen reagieren auf Songs und man hat das Gefühl:
„Ja, genau dafür mache ich das alles.“

Und dann gibt es wieder ruhigere Zeiten. Phasen voller Zweifel, Vergleiche und Gedanken darüber, ob das alles überhaupt noch der richtige Weg ist oder eher eine „Liebhaberei“, wie man gerne mal gesagt bekommt.

Ja, das verunsichert mich bis heute! Aber ich versuche inzwischen, auch diese Phasen eher als Teil des Ganzen zu sehen.


Warum ich trotzdem weitermache

Gerade in der Musikbranche verändert sich momentan unglaublich viel. Algorithmen, Streamingdienste, KI-generierte Inhalte, Social Media — alles wird schneller, lauter und oft auch kurzlebiger.

Und natürlich frage ich mich manchmal, ob sich dieses Durchhalten am Ende wirklich lohnt und ob ich all das überhaupt so mitspielen möchte. Manchmal würde ich am liebsten einfach alle Social-Media-Plattformen löschen und in einer Welt ohne Algorithmen und Dauervergleich leben.

Aber immer dann, wenn ich live auf einer Bühne stehe und erlebe, wie Kinder, Eltern und manchmal ganze Familien plötzlich gemeinsam singen, lachen oder tanzen, weiß ich:

Doch. Genau das liebst du. Egal, ob man das in Zahlen messen kann oder nicht.

Und vielleicht ist genau das inzwischen mein wichtigster Gedanke geworden:
Nicht jeder Erfolg ist sofort sichtbar. Manche Dinge wachsen langsam. Manche Verbindungen entstehen über Jahre hinweg. Und manchmal merkt man erst viel später, was man bei Menschen eigentlich ausgelöst hat.