Was ich meinem jüngeren Ich heute sagen würde

Ich glaube, ich würde dich erstmal in den Arm nehmen und dir sagen, es ist okay, nicht immer perfekt zu sein.

Ich glaube, genau das hätte ich früher viel öfter hören müssen.
Dieses ständige Gefühl, noch mehr leisten zu müssen, noch besser zu werden und irgendwann endlich irgendwo „anzukommen“, kann einen nämlich ganz schön müde machen.

Ich dachte wohl viel zu lang, irgendwann kommt dieser Punkt, an dem plötzlich alles sicher wird. An dem man aufhört zu zweifeln und endlich das Gefühl hat: „So. Jetzt habe ich es geschafft.“

Was für ein Quatsch:
Diesen Zustand gibt es wahrscheinlich gar nicht. Zumindest nicht dauerhaft.

Denn selbst Menschen, die nach außen total erfolgreich wirken, zweifeln oft viel mehr, als man denkt. Das merke ich heute nicht nur bei mir selbst, sondern auch in ehrlichen Gesprächen mit anderen Künstlerinnen, kreativen Menschen und vor allem mit vielen selbstständigen Frauen. Die Kinos und Netflix sind voll von Dokumentationen oder die Geschichten großer Künstler denen es am Ende auch nicht anders geht.

Ich glaube, ich würde dir außerdem sagen, dass du aufhören musst zu denken, immer noch mehr leisten zu müssen. Noch besser werden. Noch professioneller. Noch erfolgreicher. Noch mehr machen.
Dieses Gefühl, nie ganz gut genug zu sein, kann einen irgendwann komplett auffressen. Gerade heute, in einer Welt voller Social Media Filter, Vergleiche, Reichweiten und Daueroptimierung.

Und ja… manchmal wird sich trotzdem alles chaotisch anfühlen. Auch dann noch, wenn von außen vielleicht längst alles „gut aussieht“.

Das ist okay.

Wirklich.

Ich würde dir auch sagen, dass manche Dinge, die sich erstmal wie Rückschritte anfühlen, später plötzlich unglaublich wichtig werden können. Dass Absagen weh tun dürfen. Dass Enttäuschungen nicht automatisch bedeuten, dass du falsch bist. Und dass Menschen, die nicht an dich glauben, nicht automatisch Recht haben.

Manche Wege brauchen länger. Manche Dinge wachsen langsamer. Und manchmal versteht man tatsächlich erst Jahre später, warum bestimmte Dinge genau so passieren mussten.

Und bitte versuch nicht, es allen recht zu machen!

Nicht jeder wird verstehen, warum dir Musik für Kinder so wichtig ist. Nicht jeder wird nachvollziehen können, warum du so viel Zeit, Herzblut und Energie in Dinge steckst, die von außen manchmal eher „klein“ wirken und gleichzeitig kaum finanzielle Sicherheit mitbringen.

Und weißt du was?
Das müssen sie auch gar nicht.

Deine Familie und deine Freunde sind übrigens auch nicht automatisch deine Zielgruppe. Natürlich ist es wunderschön, wenn Menschen aus dem eigenen Umfeld dich unterstützen. Aber noch wichtiger ist es, echte Menschen zu finden, die wirklich fühlen, was du da machst.

Eine echte Community entsteht nicht dadurch, dass jeder dich mag. Sondern dadurch, dass die richtigen Menschen bleiben.

Und dann würde ich dir wahrscheinlich von diesem einen Konzert erzählen…
Von der Familie aus München, die über 600 Kilometer gefahren ist, damit ihr Sohn dich endlich einmal live erleben kann. Ein inzwischen fast erwachsener Junge mit Downsyndrom, der deine Rappelkiste liebt und unbedingt einmal mit dir zusammen singen wollte.

Und ich würde dir sagen:
Du wirst irgendwann gemeinsam mit ihm auf einer Bühne stehen und seinen Lieblingssong singen. Deinen Song! Und ich verspreche dir, du wirst dabei Gänsehaut haben.

Nicht wegen irgendwelcher Zahlen. Nicht wegen Reichweite oder Algorithmen. Sondern weil du in genau diesem Moment plötzlich verstehen wirst, dass Musik manchmal viel größere Spuren hinterlässt, als du erahnen würdest.

Und vielleicht würde ich dir am Ende einfach nur noch sagen:

Es ist okay zu zweifeln. Es ist okay, Angst zu haben oder nicht immer zu wissen, ob etwas funktioniert. Aber bitte lass diese Angst niemals so groß werden, dass du Dinge gar nicht erst ausprobierst. Die meisten wirklich schönen Dinge entstehen unterwegs.

Also geh los, wenn du wirklich für etwas brennst.
Denn das Glück wartet erstaunlich oft genau außerhalb der eigenen Komfortzone.