Wer mit Kindern arbeitet – ob im Kindergarten oder in der Schule – merkt ziemlich schnell, dass sich in den letzten Jahren etwas verändert hat.
Die Konzentrationsspanne ist kürzer geworden. Viele Kinder haben mehr Bewegungsdrang, gleichzeitig fällt es ihnen schwerer, länger bei einer Sache zu bleiben. Das ist kein Gefühl, sondern wird inzwischen auch durch Studien gestützt. Kinder bewegen sich im Alltag deutlich weniger als früher, verbringen mehr Zeit im Sitzen und sind gleichzeitig einer Vielzahl an Reizen ausgesetzt, die ihre Aufmerksamkeit ständig fordern.
Und wenn man ganz ehrlich ist, kennen wir das als Erwachsene ja auch. Dieses ständige „nur mal kurz aufs Handy schauen“, der nächste Impuls, die nächste Ablenkung – es ist gar nicht so leicht, sich dem zu entziehen. Für Kinder, deren Gehirn sich noch mitten in der Entwicklung befindet, ist das natürlich nochmal eine ganz andere Herausforderung.
Genau deshalb ist es so wichtig, Bewegung nicht nur „irgendwann“ einzuplanen, sondern bewusst immer wieder kleine Bewegungspausen in den Alltag einzubauen.
Warum Bewegungspausen so guttun und wichtig sind
Bewegung hat einen direkten Einfluss auf die Konzentration und das Lernen. Wenn Kinder sich bewegen, wird die Durchblutung im Gehirn angeregt, Sauerstoff wird besser verteilt und die Aufmerksamkeit steigt wieder.
Gleichzeitig hilft Bewegung dabei, innere Unruhe abzubauen. Kinder, die sich kurz auspowern oder ihren Körper bewusst einsetzen dürfen, finden danach oft viel leichter wieder in eine konzentrierte Phase zurück.
Viele Lehrerinnen und Lehrer – und auch ErzieherInnen – greifen deshalb ganz bewusst auf kleine Bewegungseinheiten zurück, um den Tag zu strukturieren.
Nicht, weil „noch Zeit übrig ist“, sondern weil sie wissen: Danach geht es besser weiter.
Einfache Ideen, die sofort funktionieren aus dem Schulalltag
Oft reichen schon wenige Minuten, um einen Unterschied zu machen.
Viele der Ideen, die ich richtig gut finde, kommen tatsächlich direkt aus dem Alltag meiner Schwester, die als Lehrerin arbeitet.
Zum Beispiel kleine Bewegungsspiele wie „Lia sagt“ – eine Variante von „Simon says“. Die Kinder dürfen eine Bewegung nur ausführen, wenn vorher „Lia sagt“ gesagt wird. Das macht Spaß, fordert die Aufmerksamkeit und bringt Bewegung rein, ohne dass es sich nach „Pause“ anfühlt.
Oder auch Bewegungen, die direkt mit Lerninhalten verknüpft sind:
Wenn ein bestimmter Laut im Wort vorkommt – etwa ein „I“ – machen sich die Kinder klein wie ein Igel. Solche kleinen Verknüpfungen bringen Bewegung ganz natürlich in den Unterricht.
Auch einfache organisatorische Dinge helfen: Materialien liegen bewusst nicht direkt am Platz, sondern werden im Raum verteilt. Dadurch entstehen automatisch kleine Wege und damit Bewegung zwischendurch.
Und was viele Klassen auch gerne machen: kleine Tänze in kurzen Einheiten einüben. Das können aktuelle Trends sein oder einfache Choreografien wie „Regenbogenfarben“ oder „A.P.T.“ – fünf Minuten reichen oft schon, um die Stimmung komplett zu verändern.
Wenn Musik dazukommt, wird es oft noch leichter
Bewegung funktioniert auch ohne Musik – aber mit Musik wird der Einstieg oft einfacher.
Kinder lassen sich schneller mitnehmen, bewegen sich intuitiver und bleiben länger dabei. Gerade in Klassenräumen, die technisch gut ausgestattet sind, werden deshalb immer häufiger Mitmachvideos genutzt, die einfach über den Bildschirm oder Beamer abgespielt werden.
Ein schönes Beispiel dafür sind die Bewegungsformate von Norbert Klotz. Seine Videos sind so aufgebaut, dass Kinder direkt mitmachen können – klar geführt, mit viel Energie und genau auf die Altersgruppe abgestimmt. Die Kinder stehen auf, bewegen sich gemeinsam und sind innerhalb weniger Sekunden mittendrin.
Und genau aus so einer Alltagssituation heraus ist auch unser Song „Raketen“ entstanden, den ich zusammen mit Norbert gemacht habe. Da ging es gar nicht nur darum, „noch ein Kinderlied“ zu schreiben, sondern wirklich um die Frage:
Was brauchen unsere Kinder eigentlich in diesen Momenten?
→ Musikvideo:
Raketen – Musikvideo
→ Tanzanleitung / Bewegungsvideo:
Raketen – Tanzanleitung
Mehr Bewegung. Mehr Energie. Ein Ventil! Ein Lied, bei dem die Kinder gar nicht lange überlegen, sondern einfach aufspringen, mitmachen und ihre Energie rauslassen können. So, wie man es sich eigentlich für eine gute Bewegungspause wünscht.
Bewegung darf auch leise sein
Was mir genauso wichtig ist: Bewegungspausen müssen nicht immer laut und wild sein.
Auch ruhige Phasen haben ihren Platz. Kleine Entspannungseinheiten, ruhige Musik oder kurze Traumreisen helfen Kindern, wieder bei sich anzukommen und den nächsten Schritt konzentriert gehen zu können. Gerade für die vielleicht etwas introvertierteren Kinder ist dies eine willkommene Auszeit vom vielen Trubel. Und dieser Wechsel zwischen Aktivität und Ruhe ist im Alltag unglaublich wertvoll.
Und am Ende geht es gar nicht um Perfektion
Und wie schon oft erwähnt: Bewegungspausen müssen nicht „perfekt geplant“ sein und auch nicht jedes Mal komplett neu erfunden werden.
Im Gegenteil.
Viele pädagogische Fachkräfte greifen ganz bewusst auf vorhandene Ideen zurück – und das ist absolut sinnvoll. Der Alltag ist voll, die Zeit begrenzt, und am Ende zählt, was für die Kinder funktioniert.
Wenn du auf der Suche nach Inspiration bist, findest du auf meinem YouTube-Kanal viele Mitmachideen aus den letzten Jahren. Und auch in meinem Shop gibt es Materialien, die genau dafür gedacht sind, dich im Alltag zu unterstützen – bewusst einfach gehalten und für kleines Geld, damit sie für möglichst viele zugänglich sind.
Kleiner Zusatz-Tipp aus dem Schulalltag 🎶
Ein Lied, das meine Schwester als Lehrerin tatsächlich schon seit vielen Jahren immer wieder in ihrer Klasse nutzt, ist „Das Lied von der 7“.
Gerade durch die Verbindung aus Musik, Bewegung und Lernen bleibt es vielen Kindern unglaublich gut im Kopf.
→ Video:
Das Lied von der 7





