Warum Mitmachkonzerte mehr sind als „Kinderbespaßung“

Wenn ich erzähle, dass ich Mitmachkonzerte für Kinder spiele, kommen manchmal Reaktionen wie:
„Ach ja, so Kinderbespaßung“ oder auch: „So Minidisco… Machst du das auch für Kindergeburtstage?“

Und ja – solche Formate gibt es natürlich auch. Für mich steckt da aber viel mehr dahinter. Und ich weiß auch, wie solche Aussagen gemeint sind – überhaupt nicht abwertend oder verletzend. Die Meisten wissen einfach gar nicht, was bei einem Mitmachkonzert eigentlich wirklich passiert.


Wie sich Kinderkonzerte verändert haben

Ein Mitmachkonzert ist heute kein klassisches Konzert mehr, bei dem Kinder einfach nur ruhig sitzen und zuhören. Vor 20 Jahren hat das vielleicht noch besser funktioniert, wie mir KollegInnen manchmal erzählen, die schon viel länger als ich Musik für Kinder machen. Heute merkt man ziemlich schnell, dass Kinder etwas anderes brauchen und einfordern. Nicht zuletzt, weil auch die Aufmerksamkeitsspanne von Kindern immer kürzer wird.

Am Anfang sitzen die Kinder machnachmal noch kurz da, schauen, beobachten. Die Veranstalter meinen es meist gut, indem sie Sitzgelegenheiten für alle bereitstellen. Aber in der Regel dauert es keine fünf Minuten, bis sich die Stimmung verändert im Raum. Die ersten stehen auf, probieren etwas aus, machen eine Bewegung mit – und plötzlich sind immer mehr dabei, bis irgendwann der ganze Raum in Bewegung ist.


Was dabei wirklich entsteht

Natürlich macht das Ganze Spaß. Und natürlich darf es laut, wild und auch ein bisschen chaotisch sein. Aber wenn man genauer hinschaut, passiert da noch mehr. Die Kinder kommen in Bewegung, ohne dass man sie groß dazu auffordern muss. Sie reagieren auf Musik und Impulse, trauen sich mehr zu und erleben sich als Teil einer Gruppe, die gemeinsam etwas macht.

Genau solche Momente entstehen im Alltag nicht so leicht – und genau deshalb sind sie so wertvoll.


Was Musik dabei bewirkt

Musik erreicht Kinder auf mehreren Ebenen gleichzeitig.

Sie spricht Gefühle an, bringt den Körper in Bewegung und unterstützt ganz nebenbei Dinge wie Sprache, Konzentration, Motorik und Merkfähigkeit. Gerade durch Rhythmus und Wiederholungen verinnerlichen Kinder Abläufe oft viel schneller, ohne dass es sich für sie nach Lernen anfühlt.

Und wenn die Inhalte dann auch noch zu den Kindern passen, sie sich darin wiederfinden oder sich verstanden fühlen, passiert oft nochmal etwas ganz anderes: Dann entsteht eine echte Verbindung zur Musik. Die Kinder singen nicht einfach nur mit – sie meinen das, was sie singen. Sie fühlen sich angesprochen, abgeholt und ein Stück weit gesehen.

Und wenn man ehrlich ist, kennen wir das als Erwachsene doch auch. Wenn uns ein Lied wirklich berührt, wenn es uns „aus der Seele spricht“, dann wollen wir mitsingen, laut oder leise, lachen oder vielleicht sogar weinen. Manchmal tanzen wir dazu – auch wenn es nur alleine im Auto oder beim Haushalt ist.

Kinder machen genau das Gleiche. Nur viel direkter, viel ungefilterter und ohne sich Gedanken darüber zu machen, ob das gerade „angemessen“ ist.


Warum es mehr ist als „das kann ich doch auch selbst“

Gerade für Einrichtungen oder Veranstalter stellt sich irgendwann die Frage, warum man dafür Geld investieren sollte.

Natürlich kann man auch im Kindergarten, in der Schule oder zu Hause mit Kindern singen und tanzen – und das ist unglaublich wichtig. Genau dort passiert ganz viel wertvolle Arbeit jeden Tag.

Ein Mitmachkonzert bringt aber nochmal eine andere Ebene mit rein.

Für Kinder ist es etwas Besonderes, wenn plötzlich jemand von außen kommt. Eine Person, die sie vielleicht nicht kennen, die auf einer Bühne steht, Musik macht und sie direkt mit einbezieht. Viele Kinder erleben Künstler in so einem Moment fast wie kleine Stars – und gleichzeitig sind sie zum Greifen nah.
Es entsteht eine andere Aufmerksamkeit, eine andere Spannung im Raum. Kinder lassen sich oft nochmal anders ein, trauen sich mehr, sind neugieriger und offener für das, was passiert. Gleichzeitig erleben sie Musik nicht nur im gewohnten Alltag, sondern als echtes Ereignis.

Und dieses Zusammenspiel – aus Nähe, Erlebnis und direkter Interaktion – ist das, was ein Mitmachkonzert so besonders macht.


Warum Eltern und pädagogische Fachkräfte so wichtig sind

Kinder entscheiden nicht selbst, welche Musik sie hören oder welche Konzerte sie besuchen.
Das übernehmen die Erwachsenen – Eltern, Erzieherinnen, Lehrer!
Und genau deshalb ist es mir wichtig, Musik zu machen, die auch ihnen gefällt.

Musik, die man nicht nur „für die Kinder laufen lässt“, sondern die man selbst gerne hört. Die nicht nervt, sondern Spaß macht. Und bei der man vielleicht sogar irgendwann merkt, dass man selbst anfängt, mitzuwippen oder mitzusingen.
Und so wird wird im besten Fall aus einem Kinderkonzert ein Familienkonzert.


Ein Gedanke zum Schluss

Kinder merken unglaublich schnell, ob etwas echt ist oder nicht.

Darauf gehe ich an anderer Stelle nochmal ausführlicher ein – aber es spielt bei jedem Konzert eine Rolle.

Für mich sind Mitmachkonzerte kein „Kinderprogramm“. Es ist die Möglichkeit, wirklich mit Kindern in Kontakt zu kommen. Im Moment mit ihnen zu sein. Ohne Bildschirm dazwischen.
Ich sehe sofort, was funktioniert, was zündet und wo noch etwas fehlt. Und genau daraus entstehen neue Ideen – für Songs, für Bewegungen und auch für neue Bühnenprogramme.

Jede Gruppe ist anders, jedes Konzert verläuft anders. Und genau das hat mich über die Jahre gelehrt, offen zu bleiben, flexibel zu reagieren und mich immer wieder neu auf die Kinder einzulassen.
Wenn ihr mich fragt: Ein wunderbarer Job!