Warum du unbedingt mit deinem Kind singen solltest – auch wenn du denkst, du kannst es nicht

„Ich kann aber gar nicht singen.“

Wenn ich für jedes Mal, dass ich diesen Satz höre, einen Euro bekommen würde, hätte ich vermutlich schon ein zweites Album finanziert 😄

Ich höre diese Sätze schon viele Jahre. Von Eltern, von Erzieherinnen, von Menschen, die eigentlich total Lust hätten, mit Kindern zu singen – und sich dann doch nicht trauen.

Und ich kann das gut verstehen. Uns Erwachsenen ist das Singen im Laufe der Zeit oft irgendwie verloren gegangen. Wir vergleichen uns, wir überlegen, ob sich das „gut anhört“, ob wir den Ton treffen oder ob das vielleicht peinlich wirken könnte. Irgendwann kommt dann dieser Gedanke: Lieber lasse ich es einfach.

Was dabei aber oft vergessen wird: Für Kinder spielt das alles überhaupt keine Rolle.

Gerade kleine Kinder reagieren unglaublich stark auf die Stimme ihrer Eltern. Sie erkennen sie sofort, sie verbinden sie mit Nähe, mit Sicherheit und mit Geborgenheit. Dabei geht es nicht darum, ob jemand „gut“ singen kann. Es geht darum, dass diese Stimme vertraut ist und echt.

Und genau deshalb ist deine Stimme für dein Kind immer wertvoller als jede perfekt produzierte Musik, die aus einer Box kommt.

Singen mit Kindern hat auch nichts mit einer Bühne zu tun oder damit, ein Lied von Anfang bis Ende „richtig“ zu singen. Die schönsten Momente entstehen oft ganz nebenbei im Alltag. Beim Anziehen, beim Wickeln, im Auto oder einfach zwischendurch. Manchmal reicht schon ein kleiner gesungener Satz, um eine Situation komplett zu verändern. Kinder steigen darauf ein, greifen die Melodie auf oder fangen an, sich dazu zu bewegen – und plötzlich entsteht daraus ein gemeinsamer Moment, den man so gar nicht geplant hat.

Was ich dabei immer wieder spannend finde: Kinder bewerten nicht. Sie denken nicht darüber nach, ob etwas perfekt ist. Sie machen einfach mit. Sie singen laut, schief, mit vollem Einsatz und haben dabei eine Freude, die uns Erwachsenen oft ein Stück weit verloren gegangen ist.

Vielleicht liegt genau darin auch eine Chance für uns. Dass wir dem Kind in uns wieder ein Stück näherkommen – diesem natürlichen Zugang, bei dem es nicht ums Bewerten geht, sondern ums Ausprobieren, ums Erleben und einfach darum, Freude daran zu haben.

Denn wenn man es einmal ganz ehrlich betrachtet, wird sich dein Kind später ganz sicher nicht daran erinnern, ob du jeden Ton getroffen hast. Aber es wird sich daran erinnern, dass ihr zusammen gesungen habt. An diese kleinen Momente im Alltag, an das gemeinsame Lachen, an dieses Gefühl von Nähe.

Es geht gar nicht darum, perfekt zu sein. Es geht darum, diese Momente überhaupt entstehen zu lassen.

Und wenn du dein Kind fragen würdest, was ihm wichtiger ist – eine perfekte Aufnahme oder du, wie du mit ihm zusammen singst – dann ist die Antwort eigentlich ziemlich klar.