Oder manchmal eben auch erst fünf Jahre später.
Wenn mich Menschen fragen, wie meine Songs entstehen, sage ich meistens:
„Ganz unterschiedlich.“ Manche Ideen sind plötzlich einfach da. Eine Melodie, ein Satz oder ein Refrain schießen mir aus dem Nichts in den Kopf und wenige Wochen später ist daraus tatsächlich ein fertiger Song geworden.
Und dann gibt es wiederum Lieder, die jahrelang irgendwo mitlaufen. Die immer mal wieder auftauchen, kurz verschwinden und plötzlich doch wieder da sind, weil irgendein Moment sie zurückholt.
Letzteres passt wohl zu meiner aktuellen Single „Hab-Dich-Lieb-Welle (für Oma und Opa)“.
Eine Idee zwischen Ostsee, Bauernhof und Familienurlaub
Die eigentliche Idee zu diesem Lied ist nämlich schon ungefähr fünf Jahre alt.
Damals stand ich noch ziemlich am Anfang meiner Bühnenzeit und durfte mehrmals im Jahr kleine Familienkonzerte auf dem Familienbauernhof Bauer Martin in Grömitz an der Ostsee spielen.
Dort hatte ich die unglaublich schöne Möglichkeit, viele persönliche Gespräche mit Kindern und ihren Familien zu führen. Das Besondere war nämlich, dass man sich dort nicht einfach nur eine Stunde beim Konzert gesehen hat. Ich war oft mehrere Tage vor Ort und dadurch begegnete man sich immer wieder — beim Frühstück, auf dem Spielplatz oder irgendwo zwischen Streichelzoo und Ackersurfen mit dem Trecker.
Gerade am Anfang meiner Zeit als Kinderliedermacherin war dieser direkte Austausch für mich unglaublich wertvoll. Und genau dort entstand auch die erste Idee zu „Hab-Dich-Lieb-Welle“!
Ein kleines Mädchen war damals gemeinsam mit ihren Großeltern im Urlaub auf dem Hof und erzählte mir voller Begeisterung, dass sie am allerliebsten mit Oma und Opa verreist. Weil die beiden einfach immer ganz viel Zeit für sie hätten und sie sie „soooo doll lieb“ habe.
Und ich weiß noch genau, dass ich damals zu ihr gesagt habe:
„Eigentlich ist das ein richtig schönes Thema für ein Lied.“
Manche Songs laufen einfach jahrelang mit
Noch am selben Abend habe ich über erste Zeilen und Ideen nachgedacht. Aber damals steckte ich mitten in anderen Produktionen und irgendwie wollte sich daraus einfach noch kein fertiger Song entwickeln.
Trotzdem verschwinden solche Ideen bei mir selten komplett.
Manchmal notiere ich einzelne Textzeilen im Handy, nehme schnelle Sprachmemos auf oder speichere kleine Gedanken auf meinen Arbeitsboards ab, damit sie bloß nicht verloren gehen.
Also, um auf die Frage vom Anfang zurückzukommen, entstehen wohl die meisten meiner Lieder so: Nicht an einem Nachmittag am Schreibtisch, sondern Stück für Stück über Wochen, Monate oder manchmal eben sogar Jahre hinweg.
Als ich letztes Jahr selbst campen war, musste ich plötzlich wieder an dieses Mädchen von damals denken. Überall auf dem Campingplatz habe ich Familien gesehen, bei denen die Kinder gemeinsam mit Oma und Opa unterwegs waren. Gemeinsam Fahrrad fahren, Eis essen, abends noch zusammen vor dem Wohnwagen sitzen oder einfach diese ganz besondere Ruhe und Zeit miteinander haben, die im Alltag oft viel zu kurz kommt. Und da ploppte diese alte Idee wieder bei mir auf und ich wusste: jetzt möchte ich daraus wirklich einen Song machen.
Wie aus einzelnen Gedanken langsam ein Lied wird
Wenn ich merke, dass ich eine Idee wirklich weiterverfolgen möchte, hole ich mir meistens Unterstützung dazu.
Seit meiner ersten Produktion begleitet mich dabei Denis Sarp, der Jazzmusik studiert hat und unter anderem von Tobias Reitz und Edith Jeske gelernt hat.
Die beiden haben übrigens auch das Buch „Handbuch für Songtexte“ geschrieben — ein Buch, das mir mein Produktionsteam ganz am Anfang meiner Songwriting-Zeit zum Geburtstag geschenkt hat und das ich bis heute immer wieder zur Hand nehme.
Wenn Denis und ich uns zusammensetzen, wird aus einzelnen Gedanken langsam eine runde Sache. Wir überlegen gemeinsam, welche Bilder entstehen sollen, wie sich ein Lied anfühlen muss und welche Sprache wir benutzen möchten.
Der berühmte „rote Faden“ ist Denis dabei übrigens extrem wichtig. Anfangs fand ich das ehrlich gesagt manchmal ganz schön anstrengend, weil er bei Texten wirklich sehr genau hinschaut und nicht sehr leicht zufriedenzustellen ist.
Heute bin ich für diese harte Schule allerdings aber verdammt dankbar, weil sie meine eigene Entwicklung als Songwriterin extrem geprägt hat. Und ich muss gestehen, dass ich dadurch inzwischen leider auch selbst ziemlich kritisch auf Songs schaue — egal ob bei Musik für Kinder oder Erwachsene.
Warum manche Lieder einfach Zeit brauchen
Wenn Text und Grundidee stehen, nehmen wir meistens erstmal eine sogenannte „Dreckspur“ oder ein Layout auf. Also eine einfache Vorversion des Songs, mit der mein Produzent anschließend musikalisch weiterarbeiten und verschiedene Richtungen ausprobieren kann.
Bis ein Lied am Ende wirklich fertig ist, vergeht dabei manchmal ganz schön viel Zeit.
Natürlich weiß ich, dass Spotify, Social Media und Streamingplattformen am liebsten ständig neue Releases hätten und viele Künstler versuchen, möglichst alle paar Wochen neue Songs zu veröffentlichen.
Aber für mich steckt hinter meinen Liedern fast immer mehr als einfach nur „Content“.
Ich möchte Geschichten erzählen, Bilder entstehen lassen und Themen finden, in denen Kinder sich wiederfinden oder verstanden fühlen können. Genau dafür muss ich mich aber selbst erstmal wirklich in ein Thema hineinfühlen können. Und das funktioniert bei mir eben nicht auf Knopfdruck.
Manche Songs sind plötzlich einfach da. Die schreibt man gefühlt in einem Rutsch runter und wenige Wochen später sind sie schon fertig produziert.
Und andere laufen jahrelang irgendwo im Herzen und im Hinterkopf mit, bis irgendwann der Moment kommt, an dem man plötzlich spürt:
Jetzt bin ich bereit, genau dieses Lied zu erzählen.




